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“Super, Ingo!”

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Direkt nach dem Kauf des Toyota Sera in England kam die Frage auf, welchen Sprit man dem Motor zum Fraß vorwerfen sollte. Der Verkäufer gab an, er habe immer “Premium” getankt, was mit 95 RON unserem “Super”-Kraftstoff entspricht. So haben Adrian und ich es auch im Verlauf der Rust2Rome-Rallye weitgehend beibehalten. Lediglich in Frankreich waren wir einmal gezwungen “Super Plus” zu tanken, da sich der Tankstellenbesitzer weigerte dem Rallyetross Super zu verkaufen. Der nachfolgende Minderverbrauch warf dann allerdings erneut die Frage nach dem richtigen Kraftstoff auf.

Auch technisch erschiene es plausibel, wenn der mit 9.8:1 recht hoch verdichtende 5E-FHE-Motor hochoktaniges Benzin verlangen würde. Das aufmerksame Studium des japanischen Handbuchs förderte zwar knuffige Zeichnungen im Comicstil zu Tage, jedoch keine Ziffernkombinationen, die als Oktanzahl zu deuten gewesen wären.

Toyota Sera Owner's Manual

Nicht übermäßig hilfreich, aber knuffig anzuschauen:
Das Handbuch des Toyota Sera

Genausowenig konnte ich im Internet eine zuverlässig erscheinende Quelle mit Angaben auftun. Zumeist verlieren sich die Antworten auf Fragen zu diesem Thema im Halbwissen um den vermeintlich besonders hochwertigen Sprit, der an Japans Zapfsäulen durch die Rüssel laufe. Größtenteils ein Irrglaube, der möglicherweise auf die unterschiedlichen Berechnungsverfahren für Oktanzahlen zurückzuführen ist (vgl. z. B. “RON, MON or PON?“).

Da eine qualifizierte Antwort nicht zu finden war, habe ich mich nun direkt an Toyota gewandt und Anfragen an die deutsche Niederlassung sowie die Customer Relations Division von Toyotas Overseas Operations Department in Japan gestellt. Toyota Deutschland antwortete zuerst und ich erhielt einen Rückruf von einem Mitarbeiter, der mir erklärte, dass der Toyota Sera nie in Deutschland verkauft worden sei, weshalb man auch keine genauen Angaben zu diesem Modell machen könne. Allgemein sei zu dem Motor jedoch zu sagen, dass er mit Super-Kraftstoff – also 95 RON – betrieben werden könne. Eine Freigabe für E10 gebe es im Übrigen nicht!

Die Antwort aus Japan fiel etwas genauer aus:

Toyota Sera uses gasoline engine which an octane raing is 91RON.

Auf Nachfrage erläuterte Urayama-san, Group Manager in der Customer Relations Division:

There are “Regular” gasoline which octane rating is 91RON and “Premium” gasoline which octane rating is 98RON in Japan. Toyota Sera uses Regular gasoline, so octane rating is 91RON.

Die Minimalanforderungen des Sera an den Kraftstoff sind damit geklärt. Offen ist noch, ob die Zündung bei 91 Oktan bereits voll ausgeregelt wird oder ob der Klopfsensor noch eingreifen muss. Vielleicht starte ich mal eine Versuchsreihe mit unterschiedlichen Benzinsorten und schaue, ob sich der in Frankreich beobachtete Minderverbrauch reproduzieren lässt.

Author: Tobias

Hallo, ich bin Tobias. Meine Leidenschaft gilt alten Autos. Je ausgefallener desto besser. Im Alltag schwöre ich auf meinen treuen ’88 Volvo 745 und im Laufe der Zeit sammelten sich daneben in der Garage noch ein ’79 AMC Pacer, ein ’70 Chrysler 300 Hurst, ein ’90 Toyota Sera und ein ’94 Mazda 121 Ginza.
Wenn ich gerade nicht an den Autos herumschraube, lasse ich den Nerd raushängen und schreibe hier irgendwas zu Online- und IT-Themen, Filmen oder Musik.
Ihr findet mich auch .

2 Comments

  1. wie bei Hyundai, da baut man auch 16Ventiler mit hoher Kompression, die brauchen auch nur 91er, aber wo willst du ihn tanken? ich habe 91er vor vielen Jahren das letzte mal in tschechien getankt…

    • Ich glaube, ich habe das zuletzt vor ein paar Jahren in der Westsahara (oder irgendwo südlich davon) noch getankt. Aber da wird der Toyota wohl eher nicht unterwegs sein. 🙂
      Hintergrund für meine Nachforschungen war einfach, dass ich keine zuverlässige Quelle für die erforderliche Benzinsorte finden konnte. Fast überall liest man nur etwas davon, dass in Japan nur hochoktaniger Sprit verkauft würde (was ja so nicht stimmt).
      Dass bereits 91 RON als Minimalanforderung ausreichen, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass der 5E-FHE-Motor – im Gegensatz zum etwas leistungsschwächeren 5E-FE der 1. Generation – einen Klopfsensor besitzt, der bei einsetzender Selbstzündung eingreifen kann. Ob der Motor also mit 91 RON bereits seine Maximalleistung erreichen kann, ist damit noch nicht geklärt, aber zumindest geht er davon nicht kaputt.

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