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24. March 2014
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Rallyebolide für den Polarkreis

Die Suche nach dem passenden Rallyefahrzeug zog sich nach unserer Vorauswahl etwa vier Wochen hin. Als wirklich üppig kann man das Angebot in Frage kommender Autos nicht bezeichnen. Die meisten Exemplare sind mittlerweile entweder völlig verbastelt oder stehen am anderen Ende der Republik. Fündig wurden wir schließlich in Witten, wo ein ’91 325i in sterlingsilber metallic mit 6 Monaten Rest-TÜV angeboten wurde. Als Extras waren Lederausstattung samt Sitzheizung, Alufelgen, elektrische Fensterheber und ein elektrisches Schiebedach gelistet.

Da im Verkaufsinserat zum Wagen keine Bilder hinterlegt waren, telefonierten wir erst einmal mit dem Verkäufer und erkundigten uns nach dem allgemeinen Zustand. Technisch sei der BMW gut in Schuss, lediglich optisch habe er einige Schwächen gestand der Verkäufer. Da das äußere Erscheinungsbild erst recht weit unten auf unserer Anforderungsliste auftaucht, vereinbarten Stefan und ich für samstags einen Besichtigungstermin. In Witten angekommen trafen wir uns mit Verkäufer Mehmet, der uns gleich eine Probefahrt anbot bei der wir das Fahrverhalten unter die Lupe nehmen konnten. Die Probefahrt führte ein wenig durch die Stadt und dann recht bald auf das kurze Teilstück der A44, das nördlich an Witten vorbeiführt: Blinker links und ab geht’s. Das konnte der 3er auch mit 23 Jahren noch gut. Am Ende der Probefahrt stand lediglich der Geradeauslauf auf der Mängelliste. Kupplung, Aufhängung, Bremse und Motor hingegen zeigten sich unauffällig.

Beim anschließenden Außencheck wurde schnell klar, was mit den “optischen Schwächen” gemeint war. Hinten links hatte einer der Vorbesitzer versucht zwei Roststellen durch nur wenig hübschere Spachtelkleckse aufzuwerten. Hat nicht geklappt. Auffälliger als die beige-braunen Flecken waren jedoch großflächige Lackschäden auf der rechten Hälfte der Motorhaube und dem beifahrerseitigen Kotflügel. Verkäufer Mehmet erklärte, der Schaden sei bereits bei einem der vielen Vorbesitzer entstanden und durch verschüttete Batteriesäure verursacht worden. Nasty!

Stefan und ich arbeiteten die von Adrian und mir erstellte Checkliste für Gebrauchtwagen ab und prüften den 325i auf Herz und Nieren. “Der ist ja schlimmer als der TÜV”, meinte der Verkäufer mit einem Augenzwinkern zu Stefan als ich am Ende auch noch die Nebelscheinwerfer einem Funktionstest unterzog. Folgende Punkte standen neben der bereits erwähnten verstellten Spur schließlich auf unserer Liste: Abgefahrene Reifen, großes Rostloch in der Endspitze vorn rechts, schwächelnde Batterie und ein gelegentliches Klackern dessen Ursache wir in einem defekten Lager eines Nebenaggregates vermuteten.

Verkäufer Mehmet, der sich von unserem Plan mit dem BMW bei einer Langstreckenrallye mitzufahren beeindruckt zeigte, kam uns bei der folgenden kurzen Verhandlung noch 50 Euro über unser eigentliches Angebot hinaus entgegen. Stefan und ich schlugen ein und leisteten 100 Euro Anzahlung, da der Wagen noch zugelassen war und Mehmet uns anbot ihn am nächsten Tag selbst nach Paderborn zu überführen.

Während unserer Rückfahrt dorthin war die Freude groß: Der erste Schritt zur Rallye ist getan!

Dass nicht immer alles so läuft wie geplant, zeigte sich dann am Sonntag: Mehmet rief am späten Nachmittag an, um mitzuteilen, dass er keine Rückfahrgelegenheit habe organisieren können. Nach einigen Überlegungen wie man die Fahrzeugübergabe im Laufe der kommenden Woche gestalten könnte, haben Stefan und ich dann kurzerhand beschlossen den Verkäuferabtransport selbst in die Hand zu nehmen, um die Sache zu erledigen. Bis Mehmet in Paderborn eingetroffen, das Geld getauscht und der Vertrag unterzeichnet war, war es dann beinahe 21:00 Uhr geworden, was mich übrigens stark an die Rost2Rome-Rallye erinnerte bei der Adrian und ich den Toyota Sera ja auch erst zu deutlich fortgeschrittener Stunde in Besitz nehmen konnten. Nachdem Stefan und ich Verkäufer Mehmet zurück nach Witten gebracht hatten, waren wir schließlich kurz vor Mitternacht wieder in Paderborn. Dafür stand der Rallye-BMW nun aber auch sicher in der Halle.

Rally Car

Das Baltic-Sea-Circle-Rallyeauto: Unser ’91 BMW 325i bei der Übergabe.
Gut zu erkennen sind die Läufer auf der Motorhaube, verursacht von Batteriesäure.

Rally Car

Die Schokoladenseite unseres Rallyeautos

21. March 2014
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Nordwärts

Nachdem im letzten Jahr rallyemäßig nix lief, nahm das Fernweh gen Herbst wieder überhand. Meine Konsultationen mit Adrian ergaben, dass er für 2014 keine Möglichkeit sah eine Rallye in seinem Urlaubsplan unterzubringen. Glücklicherweise war mein langjähriger guter Freund Stefan schnell bereit, die Rolle des Co-Piloten zu übernehmen und wir begannen mit der Rallyeplanung. Die ursprünglich ins Auge gefasste Schwarzmeertour fiel bald wieder aus, weil uns vier bis fünf Wochen (inkl. Rückreise) einfach zu lang waren. Mit 16 Tagen passte jedoch die vom Hamburger Superlative Adventure Club veranstaltete Baltic Sea Circle Rallye genau in den selbst gesteckten Zeitrahmen. Die Tour führt von Hamburg aus über Dänemark und Schweden nach Norwegen zum Nordkap. Von dort aus geht es Richtung Osten durch Finnland nach Russland. Mit Estland, Lettland und Litauen folgen die drei baltischen Staaten bevor es nach einer weiteren Russlandpassage über Kaliningrad weiter nach Polen geht. Die Zieldurchfahrt liegt schließlich auf deutschem Boden in der Nähe von Berlin. Macht insgesamt etwa 7 500 km.

Der nächste Schritt der Planung war die Auswahl des passenden Rallyefahrzeugs. Nachdem Adrian und ich sowohl auf der Rallye Dresden-Banjul als auch bei der Rust2Rome mit frontgetriebenen Japanern unterwegs waren, sollte es zur Abwechslung mal eine Heckschleuder werden. Gern auch mit ein bisschen Schub. Für die Schotterstrecken am Polarkreis… 😉 Das Regelwerk der Rallye sieht vor, dass das Fahrzeug mindestens 20 Jahre alt sein muss und nicht mehr als 2 500 Euro kosten sollte. Berücksichtigt man all diese Kriterien so gelangt man recht schnell zu der Erkenntnis, dass man sich zwischen Mercedes der Baureihe W124 und BMWs der E36-Serie entscheiden muss. Unsere Wahl fiel auf BMW, da Stefan aufgrund langjährigen Besitzes eben dieses Modells reichlich Erfahrung mitbringt. So bietet sich auch die Chance der Zweitverwertung unseres Rallyeautos – vorausgesetzt wir sind nicht gezwungen es in irgendeinem russischen Waldstück zurückzulassen und den Rest des Rückwegs zu trampen. 😀

Basierend auf unser Vorauswahl trafen wir die weitere Eingrenzung: Die Vierzylinder am unteren Ende der Leistungsskala fielen wegen fehlender Leistung weg; der M3 am anderen Ende wegen seines Kaufpreises. Der BMW 323i wurde erst ab Mitte ’95 produziert und ist damit zu jung. Das gleiche Schicksal ereilt auch den 328i. Den nächstkleineren 325i gibt es zwar im angepeilten Preissegment nicht wie Sand am Meer, aber mit etwas Geduld sind noch brauchbare Exmeplare zu finden. Die 55 zusätzlichen Newtonmeter Drehmoment geben ihm den Vorzug gegenüber dem 320i. Auch die Frage der Karosserieform wäre damit geklärt, denn den 325i gab es nur als Limousine. Das passt aber ebenfalls gut ins Konzept, denn die Limousine bietet nicht nur die höchste Verwindungssteifigkeit, sondern stellt (aus genau diesem Grund) auch die leichteste Karosserievariante dar.

5. October 2013
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Steter Tropfen ölt den Stein

Es soll ja bisweilen vorkommen, dass ältere Autos auch mal einen Tropfen Öl verlieren. Jüngst habe ich das Problem beim Chrysler, dessen Servopumpe unter akuter Inkontinenz leidet. Bisher habe ich einfach eine Zeitung untergelegt, die das Servoöl auffängt. So richtig schön ist das aber nicht, da einerseits das Öl durch die Zeitung suppt und andererseits der Motorlüfter beim Überfahren der Zeitung selbige durch die Halle bläst. Also habe ich mich auf die Suche nach professionelleren Lösungen begeben.

Das Zauberwort heißt “Öl-Tropfblech”. Leider lassen sich erstaunlich wenige Anbieter dafür finden. Lediglich beckbauer.eu und Stevens haben Tropfbleche im Sortiment. Doch eine weitere, wesentlich günstigere Alternative habe ich diese Woche zufällig im Penny-Supermarkt um die Ecke entdeckt: Schuhabtropfablagen! Passend zum Herbstbeginn hat Penny die Dinger für 3.99 Euro seit letztem Montag im aktuellen Angebot. Mit 76.2 x 38.3 cm sind die aus schwarzem Kunststoff gefertigten Wannen ausreichend groß, um auch bei grober Positionierung gut getroffen zu werden. Der Rand ist 3.1 cm hoch.

Schuhabtropfablage von Penny

© PENNY Markt GmbH, Köln

11. September 2013
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Kapitulation

Buttkereit Autotechnik

Volvo 740 bei Buttkereit Autotechnik in Duisburg

Es fühlt sich an wie eine Kapitulation: Nachdem ich die Zylinderkopfdichtung zwei Mal erneuert habe, der Motor aber einfach nicht dicht zu bekommen war, hatte ich den Verdacht, dass sich der gusseiserne Motorblock infolge einer Überhitzung verzogen hat. Also habe ich den Motor ein drittes Mal auseinander gerissen und war drauf und dran, den Block rauszuholen (an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an as und seinen Freund Niclas für den Motorkran!). Doch das eigens neu angeschaffte Haarlineal konnte auch am Block keinen Verzug feststellen. Ebenso wenig wie am geplanten Zylinderkopf. Da damit all meine Ideen erschöpft waren und mir ehrlich gesagt auch die Lust zum Weiterspekulieren fehlte, habe ich den Entschluss gefasst, den Kampf mit anderen Mitteln fortzusetzen und auf professionelle Hilfe zu bauen. Die Wahl fiel auf Buttkereit Autotechnik in Duisburg. Die beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit klassischen Volvos (wie auch ein Blick auf das Bild oben eindrucksvoll bestätigt) und haben sich da einen guten Ruf erworben. Auch der Motor des Volvo 1800S meines Vaters wurde einst dort überholt und neu aufgebaut. Im Gespräch mit Herrn Buttkereit habe ich vereinbart, dass bei dieser Gelegenheit der Motor komplett überholt werden soll. Alles Weitere wird sich zeigen, wenn der Motor zerlegt und begutachtet wurde.

21. August 2013
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Signalwirkung

Wenn man exotische Autos aus fremden Ländern in der Garage stehen hat, lernt man: Manche Dinge werden außerhalb Deutschlands anders gehandhabt. Das trifft zum Beispiel auch auf die Absicherung von Gefahrenstellen zu. Während in Deutschland das Warndreieck zur obligatorischen Standardausrüstung des Autos gehört, sieht der japanische Gesetzgeber stattdessen rot brennende Signalfackeln vor. Bei vielen Fahrzeugen, die für den japanischen Markt produziert wurden, befindet sich daher irgendwo im Innenraum eine kleine Halterung mit eben so einer Signalfackel.

Im Toyota Sera wurde die Fackel im Fußraum des Beifahrers untergebracht. Doch leider ist die Halterung in meinem Sera leer. Der Vorbesitzer in England fühlte sich nicht ganz wohl bei dem Gedanken einen chemischen Brandsatz spazierenzufahren und hat das Teil zu Hause verstaut. Leider fand er die Fackel beim Verkauf des Autos nicht wieder. Ob das nun sicherer war, sei mal dahingestellt.

Um den Halter im Beifahrerfußraum wieder originalgetreu zu befüllen, habe ich seit geraumer Zeit versucht, die passende Toyota-Signalfackel (OEM-Nummer: 90986-01005; 27.1 x 130 mm) zu beschaffen. Leider scheiterten alle bisherigen Versuche. Obwohl die Fackeln auch heute noch mit derselben OEM-Nummer bei Toyota verwendet werden und die Lieferbarkeit zunächst bestätigt wurde, ruderte Toyota Deutschland nach einer Woche Wartezeit wieder zurück und verneinte die Verfügbarkeit. Das gleiche passierte mir auch beim JDM-Teileversandhandel Amayama. Weder aus Japan noch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sei das Ersatzteil lieferbar, teilte man mir auf Nachfrage mit. Also versuchte ich mein Glück noch einmal in Deutschland, wo teile-profis.de die Signalfackel gelistet hatte. Die Antwort kam prompt: Das Teil sei momentan nicht vorrätig, könne aber beschafft werden. Lediglich der Liefertermin sei nicht absehbar. Da Zeit keine vorrangige Rolle spielte, beschloss ich zu warten. Zweieinhalb Monaten später erhielt ich einen Liefertermin mitgeteilt, der jedoch ereignis- und benachrichtigungslos verstrich. Anschließend herrschte wochenlang Funkstille und auch meine Rückfragen blieben unbeantwortet. Nachdem ich mehrfach angerufen hatte, hieß es schließlich irgendwann, dass man das Teil wohl doch nicht liefern könne. Auch auf ebay.co.uk hatte ich nicht mehr Glück. Der Verkäufer einer Signalfackel, deren Haltbarkeit bereits vor vielen Monden ablief, winkte ab: Ein Versand von Großbritannien nach Deutschland sei nicht möglich.

Auf der Suche nach Alternativen bin ich dann noch auf den Hersteller Japan Carlit gestoßen, der baugleiche Fackeln mit der Artikelbezeichnung HF05-T15082 vertreibt. Da sich lediglich die Bedruckung unterscheidet, handelt es sich bei Japan Carlit möglicherweise auch um den Zulieferer von Toyota. Ähnlich, aber nicht identisch, sehen die Fackeln mit der Bezeichnung CE0308002 aus. Zudem gibt es mittlerweile auch batteriebetriebene Geräte, die eine LED an der Spitze haben. Aber auch für all diese Artikel konnte ich bisher keine Quelle innerhalb Europas auftun.

Erfolg hatte ich schließlich nach langer Suche auf ebay.com. Ein Verkäufer aus Singapur schickte mir eine gut erhaltene Fackel von Japan Carlit.

JDM Road Flare

Signalfackel スーパーハイフレヤー5 für meinen Toyota Sera

Die Fackel stimmt in Bauform und Abmessungen auch tatsächlich mit dem Original von Toyota überein, sodass sie genau in den Halter im Beifahrerfußraum vom Sera passt.

JDM Road Flare

Die Signalfackel sitzt in einem Halter im Beifahrerfußraum.

Nach einer Bezugsquelle für neue Fackeln suche ich nebenbei allerdings weiter, denn die vom Hersteller garantierte Haltbarkeit der kleinen Brandsätze ist auf etwa vier Jahre begrenzt.

11. June 2013
by Tobias
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Die sterblichen Überreste von Ötzi

Der eine oder andere mag sich noch entsinnen, dass Adrian und ich im letzten Herbst einen Mazda 121 Ginza an Land gezogen haben. Der Wagen hatte in seinem früheren Leben einen Frontschaden erlitten, den der Vorbesitzer mit Teilen eines LX-Basismodells “zeitwertgerecht” repariert hat, weshalb die Motorhaube und der Kühlergrill nun in Niagara Silver statt Noble Green lackiert sind. Auch die Frontschürze wurde vom Basismodell übernommen und ist daher nun unlackiert. Bei der gehobenen Modelllinie GLX und den Sondermodellen waren Front- und Heckschürze jedoch in Wagenfarbe lackiert.

Ginza auf Hänger

Der Mazda 121 Ginza beim Kauf:
Motorhaube, Kühlergrill und Frontschürze wurden nach einem Unfall getauscht

Eine kurze Überschlagsrechnung ergab, dass es in Summe wohl günstiger sei, nach einem kompletten Teilespender Ausschau zu halten als die einzelnen Anbauteile zu suchen. Und auch wenn beim Ginza erst einmal nicht so wahnsinnig viel passieren wird, da die anderen Projekte wichtiger sind, habe ich seither immer mal wieder ein Auge auf eBay und mobile.de geworfen. Dabei lernte ich auch, dass Mazda dem 121 Ende 1993 noch ein Facelift verpasste, bei dem Motorhaube und Kühlergrill leicht abgeändert wurden. Auch die Lackierung in Noble Green Mica (Farbcode: VQ) war erst nach dem Facelift erhältlich.

Mitte April tauchte schließlich ein 121 in passender Farbe bei eBay auf. Der Wagen stand in Lahnstein zum Verkauf und lag damit in Schlagreichweite. Trotz reichlich Rest-TÜV hielt sich das Interesse bei eBay stark in Grenzen, da das Auto Anfang des Jahres hinten rechts einen Unfallschaden erleiden musste.

Photo from eBay auction

Bild aus der eBay-Artikelbeschreibung; Quelle: bekimt3

Der selbstbewusst gesetzte Mindestpreis wurde in der Auktion nicht erreicht, was ich nach Auktionsende für neue Verhandlungen mit dem Verkäufer nutzte. Wir wurden uns handelseinig und ich startete am darauffolgenden Freitag mit einem Anhänger zu einer Sauerlandtour in Richtung Lahnstein. Pünktlich mit meiner Ankunft bei “Ötzis Kfz-Werkstatt” begann es sintflutartig zu regnen.

Used Car Dealer

Ötzis Kfz-Werkstatt in Lahnstein

Eine kurze Begutachtung des Mazda förderte die üblichen Vernachlässigungen eines Kleinwagens, der am Ende seiner Karriere angekommen ist, zu Tage: Kratzer, Beulchen und reichlich Dreck. Einer der Vorbesitzer war starker Raucher und nutzte das Fahrzeuginnere als großräumige Erweiterung des Aschenbechers.

Abused Interior

Innenraum: Auch das Gesicht auf dem Lenkrad vermag den Pflegezustand nicht zu kaschieren

Ein anderer hatte wohl mal vergessen, den Kofferraumdeckel zu schließen als es regnete, was Schimmelbefall im Heckabteil nach sich zog.

Mold

Kofferraum: Sogar die Klappe ist teilweise mit Teppich bezogen! Oh, wait…

Und wie bei praktisch allen Eiern hat sich auch hier das hintere Ende der Schweller still und leise verkrümelt.

Typical Rust Damage

Karosserie: Rost sorgt für Gewichtsersparnis an der Hinterachse

Der Motorraum blieb ebenso wenig von den Misshandlungen der Vorbesitzer verschont. Wie mir der Verkäufer auf Nachfrage erklärte, hat eine Fahrerin nach der Kontrolle einmal vergessen, den Öleinfülldeckel wieder aufzuschrauben, wodurch der Motor sein Öl im gesamten Motorraum verteilen konnte. Es fühlte sich jedoch auch niemand genötigt, die Sauerei wegzuwischen, weshalb immer noch praktisch überall ein dicker Schmierfilm zu finden war und sogar eine kleine Ölpfütze auf dem Luftfiltergehäuse stand.

Oiled Up Nicely

Motor: Nicht mit dem Öl sparen!

Trotz der vielen sonstigen Mängel war die Frontpartie in ganz ordentlichem Zustand. Alles in allem also der perfekte Teilespender für meinen Ginza! Die fünf Meter große Lücke, die hinter dem Mazda auf dem Verkaufsplatz vorhanden war, nutzte ich noch für ein kurzes “Proberollen”, womit ich zumindest den Motorlauf, den Zustand der Kupplung und die Bremsen notdürftig überprüfen konnte. Anschließend wechselten ein paar Scheine und ein Fahrzeugbrief den Besitzer und ich konnte beginnen, meinen Neuerwerb auf den Anhänger zu verladen.

Ready To Be Loaded

Der Dauerregen machte das Verladen nicht angenehmer.

Natürlich regnete es immer noch, sodass ich nass bis auf die Haut war als ich das Gespann endlich vom Parkplatz bugsieren konnte. Den Rückweg trat ich dann über die Autobahn an. Dauerregen und reichlich mehr als eine Tonne am Haken verhießen einfach keine unterhaltsame Fahrt durchs Sauerland.

Trailer In The Rain

Auf dem Weg nach Hause: Dauerregen auf der Autobahn

Bis ich wieder in Paderborn angekommen war hatte der Mazda so zumindest eine gründliche Dusche abbekommen. Was jedoch nicht gänzlich ohne Folgen blieb: Als ich den Wagen zwei Tage später für eine Bestandsaufnahme und ein paar der Bilder oben wieder aus der Tiefgarage holte, weigerte sich die rechte Hinterradbremse zunächst vehement die Bremstrommel freizugeben:

Skid Mark

Festgerostete Bremsbeläge: Mehr Gas löste das Problem

10. June 2013
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Frühjahrsputz in der Halle

Nicht, dass ihr denkt, ich liege auf der faulen Haut, bloß weil hier längere Zeit Funkstille herrschte. Ganz im Gegenteil: Ich war so emsig, dass die Berichterstattung auf der Strecke blieb. Los geht’s:

Nach dem scheinbar nicht enden wollenden Winter war es vor ein paar Wochen endlich an der Zeit die Halle wieder in einen nutzbaren Zustand zu versetzen. Ein frostbedingter Wasserrohrbruch und Bauarbeiten der Vermieter hatten einiges an Chaos und Dreck hinterlassen.

Seit dem letzten Sommer wartete auch immer noch ein Hängeschrank darauf an die Wand gespaxt zu werden. Mein Vater und mein Kumpel Stefan erklärten sich dankenswerterweise bereit mit anzupacken und wir räumten die beim Rohrbruch eilig ins Trockene gewuchteten Möbel erst einmal wieder an ihren angestammten Ort. Auch die Elektroinstallation wurde mit einer Verteilerdose, Steckdosen und diversen Nagelschellen optimiert. Die immer noch defekte Wasserversorgung ließ sich durch den Austausch der “Siebtasse” am Druckminderer reparieren und die Arbeitsplatte bekam rückseitig eine Leiste angeschraubt, die nun verhindert, dass Kleinteile nach hinten von der Werkbank rollen. Anschließend wurde der Hängeschrank an die Wand gewuppt und angebracht.

Wall Cupboard

In der Halle: aufgeräumt und abgestaubt

Mittlerweile habe ich über eBay Kleinanzeigen noch eine Mini-Stereoanlage besorgt, die ihren Platz auf einem Bord neben dem Hängeschrank gefunden hat und nun die Arbeiten an den Autos musikalisch untermalt. So langsam wird’s gemütlich…

15. May 2013
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Kontinentalisierung II

Mittlerweile habe ich die Umrüstung der Scheinwerfer vom Sera ein wenig weitergeplant. Nach Beratungen mit diversen gebildeten Menschen habe ich beschlossen, dass die asymmetrische Maske des Reflektors rechts (in Fahrtrichtung) vergrößert werden soll. Das verändert dann hoffentlich den Lichtkegel der Scheinwerfer im gewünschten Maße.

Low Beam's POV

Blick in Fahrtrichtung durch den Reflektor des Abblendlichtes: Die Maske verdeckt die Linse vor dem Reflektor in der unteren Hälfte.

Um die Maske zu vergrößern, will ich einen kleinen Metallstreifen befestigen, der die Aussparung, die sich nun rechts befindet, verdeckt und nach oben hin erweitert. Der in der Mitte der Maske vorhandene Knick hat einen Winkel von 15° und soll nach dem Umbau spiegelbildlich nach rechts hin ansteigen (vgl. StVZO §50 Abs. 6).

Für die Fertigung einer Schablone war es erforderlich den Reflektor aus dem Scheinwerfergehäuse auszubauen. Dazu muss man zuerst den Reflektor aus dem kleinen Halter (zur Fahrzeugaußenseite hin befindlich) lösen. Das klappt am besten mit einer schmalen Zange. Anschließend muss man die beiden Justierschrauben auf der Rückseite des Scheinwerfers solange abwechselnd und im Uhrzeigersinn (!) drehen bis sie den Reflektor freigeben. Aber aufpassen: Dreht man die Schrauben nicht abwechselnd, so stößt der Reflektor irgendwann ans Gehäuse!

Low Beam Adjustment

Die Halterung (links unten) und die zwei Justierschrauben (rechts) des Reflektors

Hält man den Reflektor schließlich in den Händen, muss man noch zwei kleine Schrauben lösen, die den Reflektor mit der Maske verbinden.

Low Beam Reflector

Mittig ist eine der schwarzen Schrauben zu sehen, die den Reflektor und die Maske zusammenhalten

Low Beam Reflector

Reflektor und Maske des rechten Abblendlichtes

Im nächsten Schritt habe ich die Maske genau ausgemessen und die Größe des Streifens bestimmt, der rechts angebracht werden soll. Mit diesen Maßen habe ich die Schablone erzeugt, die man ausdrucken und ausschneiden kann. Eine PDF-Datei der Schablone findet ihr hier: Headlight Conversion Template

Der erste Versuch mit einem Papierstreifen sah schon recht vielversprechend aus:

Right-Hand Traffic Prototype

Die Abblendlichtmaske mit eingeklebter Schablone: Der rechte Bereich ist nun größer. In der Mitte bildet der Pfeil den erforderlichen 15°-Knick nach.

Dies ist war der Moment für ein leckeres Dosenbier. Nicht nur wegen der Vitamine, sondern auch, da der fertige Streifen natürlich nicht aus Papier sein soll, sondern aus Metall. Die dünnen Aluminiumwände einer Bierdose lassen sich dafür hervorragend zweckentfremden und mit einer einfachen Schere millimetergenau zuschneiden.

Headlight Conversion

Zack, Bier leer, Dose aufschnippeln, mit einem Cutter die Schablone übertragen und mit der Schere kleine Alustreifen ausschneiden. Fertig!

Bei der Frage, wie der Metallstreifen an der Maske zu befestigen sei ohne durch Vibration und Hitze abgelöst zu werden, ließ ich mich von den Profis bei UHU unterstützen: Auf der Website des Unternehmens kann man sogenannte “Klebefälle” einreichen und sich professionell bei der Auswahl eines geeigneten Klebstoffs beraten lassen. Ich wurde eigens von einem sehr freundlichen Mitarbeiter zurückgerufen, der sich das Problem von mir noch einmal detailliert schildern ließ und mir schließlich “UHU hochtemperatur silikon” empfahl. Das schwarze Silikon ist dauerelastisch und hitzebeständig bis 270°C, womit Vibrationen und Scheinwerferhitze kein Problem darstellen dürften. Zudem ist Silikon auch rückstandslos wieder zu entfernen, sollte das Auto eines Tages seinen Weg zurück auf die falsche Straßenseite finden. 😉

30. January 2013
by Tobias
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Arschkalt

In den letzten Wochen war es in der Halle arschkalt, weshalb ich es immer nur kurz dort ausgehalten habe. Ein paar Kleinigkeiten konnte ich trotzdem erledigen. Rechtzeitig vor den angekündigten Tiefsttemperaturen habe ich dem Wischwasser aller Autos noch ein wenig Frostschutz spendiert.

Beim Toyota nutzte ich diese Gelegenheit, um erst einmal den Vorratsbehälter mitsamt eventuell vorhandenem Dreck zu leeren. Leider ist der Behälter wie so vieles andere auch recht verbaut untergebracht, sodass ich auf die Demontage verzichtet habe und stattdessen erst einmal mit einem Schlauch das Wischwasser abgesaugt habe. Den kümmerlichen Rest hat dann die Scheibenwischerpumpe erledigt.

Draining Wiper Fluid

Über den abgezogenen Schlauch zu den Waschdüsen habe ich den Wischwasser-Vorratsbehält entleert. Der Scheibenwischer springt beim Sera nicht automatisch an, wenn man die Wischwasserpumpe betätigt.

Ein wenig Dreck kam bei der Aktion auch tatsächlich zum Vorschein. Nicht viel, aber genug, dass es sich gelohnt hat.

Dirt

Dreck aus dem Wischwasserbehälter

Ursprünglich hatte ich auch vor, ein paar der ausgebauten Innenraumteile wieder im Sera zu montieren. Zuallererst die hinteren Sitze, da sie in der Halle einfach viel Platz wegnehmen. Beim Reinigen der Karosseriemulden, in denen die Sitze angebracht werden, fiel mein Blick jedoch auf die verrosteten Halterungen der Mittelarmlehne. Die Rücksitze einfach wieder darüber zu montieren habe ich dann nicht über das Herz gebracht. Unter der Armlehne kam prompt noch mehr Dreck zum Vorschein, der nun auch erfolgreich bekämpft werden konnte.

Cleaning Under The Armrest

Auch unter der Armlehne konnte ich nun putzen. Bei -5 °C mit Wasser spielen macht auf Dauer aber keine Freude.

Die Halterungen der Armlehne habe ich dann mit meinem Lieblingsentroster Evapo-Rust behandelt. Hier das Vorher-Bild:

Armrest Rust Removing

Die verrostete Halterung der hinteren Mittelarmlehne vor der Bahndlung mit Evapo-Rust

Und hier das Nachher-Bild:

Armrest Rust Removing

Die (ehemals) verrostete Halterung der hinteren Mittelarmlehne nach der Bahndlung mit Evapo-Rust

Ein paar kleine Stellen sind noch dort vorhanden, wo sich leichte Rostnarben gebildet hatten, aber das kriege ich am kommenden Wochenende wohl auch noch in den Griff.

9. January 2013
by Tobias
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Kontinentalisierung I

Dem Rest der Familie wollte ich in Sachen Geschäftigkeit zwischen den Jahren nicht nachstehen und habe mich den Scheinwerfern des Toyota angenommen. Ursprünglich in Japan verkauft, wurde das asymetrische Abblendlicht vom Toyota Sera für den dort herrschenden Linksverkehr ausgelegt und muss vor einer Zulassung in Deutschland umgerüstet werden. Da der Sera jedoch ausschließlich für den japanischen Markt hergestellt wurde, produzierte Toyota – beziehungsweise das mit der Fertigung beauftragte Unternehmen Koito – auch nur Scheinwerfer für Linksverkehr. Der sonst bei den meisten importierten Fahrzeugen übliche Austausch der Scheinwerfermodule gegen Module für Rechtsverkehr ist daher schon mal nicht möglich. Die gibt’s einfach nicht. Und da der Sera als eines der ersten Autos mit Projektionsscheinwerfern auf den Markt kam, gibt es meines Wissens auch keine baugleichen Scheinwerfer aus anderen Fahrzeugen.

Glücklicherweise bin ich aber nicht der erste Mensch auf der Welt, der einen Sera dauerhaft im Rechtsverkehr bewegen möchte und so fand ich im englischen Forum eine Anleitung wie die vorhandenen Scheinwerfer umgebaut werden können. Zunächst einmal müssen sie dazu aus dem Auto ausgebaut werden. Dazu musste ich zuerst der Kühlergrill entfernen, um genug Platz zum Ausfädeln zu haben. Der Grill ist mit einer Lippe von hinten unter die Stoßstange geschoben und mit drei Kreuzschlitzschrauben befestigt. Jeder Scheinwerfer wird von drei 10-mm-Schrauben und einem kleinen Metallbügel gehalten, der unter dem Scheinwerfer sitzt. Der Bügel rastet in einer Plastikhalterung ein aus der man ihn nach vorn herausziehen muss. Am äußeren Ende des Scheinwerfers sitzt noch der Stecker für das Standlicht.

Head Light Opening

Hier saß der linke Scheinwerfer. Unten in der Mitte kann man die Plastikhalterung (OEM-Nummer: 90959-01402) für den kleinen Metallbügel unter dem Scheinwerfer erkennen.

Hier der Scheinwerfer nach dem Ausbau:

Head Light

Oberseite des linken Scheinwerfers: Verziert mit schönstem Overspray eines unfähigen Lackierers.

Head Light

Unterseite des linken Scheinwerfers: Am rechten Rand sitzt der erwähnte kleine Metallbügel.

Head Light

Rückseite des linken Scheinwerfers: Rechts sieht man zwei der Schrauben mit denen er befestigt ist. Ein weitere kommt durch den Halter oben in der Mitte.

Im nächsten Schritt muss man nun die Staubschutzkappen, die Leuchtmittel und die kleinen Schräubchen entfernen. Die vier langen Schrauben an der Rückseite dienen der Reflektorjustierung und bleiben, wo sie sind. Rings um das Gehäuse verteilt sitzen fünf Klammern (obwohl sechs Aussparungen vorhanden sind), die ebenfalls entfernt werden wollen. Mit einem kleinen Schraubendreher kann man sie vorn vorsichtig hochhebeln und anschließend abnehmen.

Head Lamp Housing Clips

Eine der fünf Klammern, die das Scheinwerfergehäuse zusammenhalten

Nun ist ein guter Zeitpunkt, um die Scheinwerfer gründlich zu reinigen, sofern nicht bereits geschehen. Anschließend geht es ab in den Backofen. Ja, genau: Backofen. Nach etwa 10 Minuten bei 90 Grad ist der Kleber, der die beiden Gehäusehälften des Scheinwerfers zusammenhält schön weich und die Hälften lassen sich mit einem großen Schraubendreher vorsichtig auseinander hebeln. Die Anleitung zur Reinigung des Scheinwerferinneren von Craig Oakley auf toyotasera.co.uk spricht zwar von 150 Grad, ich habe jedoch festgestellt, dass 90 Grad bereits völlig ausreichend sind und man will ja nicht, dass den seltenen Teilen zu warm wird.

In The Oven

Thermometer zur Temperaturkontrolle im Backofen

Wenn der Kleber bei den Arbeiten wieder zu kalt werden sollte, einfach noch mal ab in den Ofen mit dem Ding. Wichtig ist, dass man beim Aufhebeln an der Fernlicht-Seite des Scheinwerfers beginnt und nicht außen beim Standlicht! Dort befindet sich eine Haltenase mit der die beiden Hälften eingehakt sind, die abbrechen würde, falls man hier zuerst ansetzt.

Retainer

Haltenase der vorderen Gehäusehälfte: Beim Öffnen des Scheinwerfers immer am Fernlicht beginnen!

Sind beide Scheinwerferhälften voneinander getrennt, kann man sich sein Werk anschauen und die Innereien näher studieren.

Disassembled Head Lamp

Hier auf dem Kopf liegend: Der rechte Scheinwerfer nach dem Ausflug in den Backofen.

Die Projektionslinse des Abblendlichtes wird von einem Metallring gehalten, der mit zwei Kreuzschlitzschräubchen fixiert ist.

Projector Lens

Projektorlinse des Abblendlichtes

Entfernt man den den Ring und die Linse so ist der Blick frei auf die Metallmaske, die zwischen Leuchtmittel und Linse sitzt und für die links-asymmetrische Ausleuchtung der Straße verantwortlich ist.

Low Beam Mask

Die Maske des rechten Abblendlichtes

Schaut man genau hin, so erkennt man den Versatz in der Mitte der Maske mit dem die Asymmetrie erzeugt wird. Ein Blick von hinten durch den linken Scheinwerfer zeigt den gleichen Versatz.

Low Beam's POV

Die Maske des linken Scheinwerfers von hinten betrachtet. Der von links oben nach rechts unten verlaufende Absatz ist gut erkennbar.

Im nächsten Schritt der Umrüstung muss nun die Maske so geändert werden, dass ein rechts-asymmetrischer Lichtkegel erzeugt wird. Mir ist jedoch noch nicht ganz klar, warum die jetzige Form der Maske eine links-asymmetrische Ausleuchtung zur Folge hat. Immerhin ist ja der linke Bereich des Scheinwerfers stärker abgedeckt. Auch der Strahlengang durch die plankonvexe Projektorlinse erklärt dies nicht. Liegt dies möglicherweise an der Form des Reflektors wie diese Darstellung in der englischen Wikipedia suggeriert? Für eure Erklärungen wäre ich dankbar!