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Rallyebolide für den Polarkreis

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Die Suche nach dem passenden Rallyefahrzeug zog sich nach unserer Vorauswahl etwa vier Wochen hin. Als wirklich üppig kann man das Angebot in Frage kommender Autos nicht bezeichnen. Die meisten Exemplare sind mittlerweile entweder völlig verbastelt oder stehen am anderen Ende der Republik. Fündig wurden wir schließlich in Witten, wo ein ’91 325i in sterlingsilber metallic mit 6 Monaten Rest-TÜV angeboten wurde. Als Extras waren Lederausstattung samt Sitzheizung, Alufelgen, elektrische Fensterheber und ein elektrisches Schiebedach gelistet.

Da im Verkaufsinserat zum Wagen keine Bilder hinterlegt waren, telefonierten wir erst einmal mit dem Verkäufer und erkundigten uns nach dem allgemeinen Zustand. Technisch sei der BMW gut in Schuss, lediglich optisch habe er einige Schwächen gestand der Verkäufer. Da das äußere Erscheinungsbild erst recht weit unten auf unserer Anforderungsliste auftaucht, vereinbarten Stefan und ich für samstags einen Besichtigungstermin. In Witten angekommen trafen wir uns mit Verkäufer Mehmet, der uns gleich eine Probefahrt anbot bei der wir das Fahrverhalten unter die Lupe nehmen konnten. Die Probefahrt führte ein wenig durch die Stadt und dann recht bald auf das kurze Teilstück der A44, das nördlich an Witten vorbeiführt: Blinker links und ab geht’s. Das konnte der 3er auch mit 23 Jahren noch gut. Am Ende der Probefahrt stand lediglich der Geradeauslauf auf der Mängelliste. Kupplung, Aufhängung, Bremse und Motor hingegen zeigten sich unauffällig.

Beim anschließenden Außencheck wurde schnell klar, was mit den “optischen Schwächen” gemeint war. Hinten links hatte einer der Vorbesitzer versucht zwei Roststellen durch nur wenig hübschere Spachtelkleckse aufzuwerten. Hat nicht geklappt. Auffälliger als die beige-braunen Flecken waren jedoch großflächige Lackschäden auf der rechten Hälfte der Motorhaube und dem beifahrerseitigen Kotflügel. Verkäufer Mehmet erklärte, der Schaden sei bereits bei einem der vielen Vorbesitzer entstanden und durch verschüttete Batteriesäure verursacht worden. Nasty!

Stefan und ich arbeiteten die von Adrian und mir erstellte Checkliste für Gebrauchtwagen ab und prüften den 325i auf Herz und Nieren. “Der ist ja schlimmer als der TÜV”, meinte der Verkäufer mit einem Augenzwinkern zu Stefan als ich am Ende auch noch die Nebelscheinwerfer einem Funktionstest unterzog. Folgende Punkte standen neben der bereits erwähnten verstellten Spur schließlich auf unserer Liste: Abgefahrene Reifen, großes Rostloch in der Endspitze vorn rechts, schwächelnde Batterie und ein gelegentliches Klackern dessen Ursache wir in einem defekten Lager eines Nebenaggregates vermuteten.

Verkäufer Mehmet, der sich von unserem Plan mit dem BMW bei einer Langstreckenrallye mitzufahren beeindruckt zeigte, kam uns bei der folgenden kurzen Verhandlung noch 50 Euro über unser eigentliches Angebot hinaus entgegen. Stefan und ich schlugen ein und leisteten 100 Euro Anzahlung, da der Wagen noch zugelassen war und Mehmet uns anbot ihn am nächsten Tag selbst nach Paderborn zu überführen.

Während unserer Rückfahrt dorthin war die Freude groß: Der erste Schritt zur Rallye ist getan!

Dass nicht immer alles so läuft wie geplant, zeigte sich dann am Sonntag: Mehmet rief am späten Nachmittag an, um mitzuteilen, dass er keine Rückfahrgelegenheit habe organisieren können. Nach einigen Überlegungen wie man die Fahrzeugübergabe im Laufe der kommenden Woche gestalten könnte, haben Stefan und ich dann kurzerhand beschlossen den Verkäuferabtransport selbst in die Hand zu nehmen, um die Sache zu erledigen. Bis Mehmet in Paderborn eingetroffen, das Geld getauscht und der Vertrag unterzeichnet war, war es dann beinahe 21:00 Uhr geworden, was mich übrigens stark an die Rost2Rome-Rallye erinnerte bei der Adrian und ich den Toyota Sera ja auch erst zu deutlich fortgeschrittener Stunde in Besitz nehmen konnten. Nachdem Stefan und ich Verkäufer Mehmet zurück nach Witten gebracht hatten, waren wir schließlich kurz vor Mitternacht wieder in Paderborn. Dafür stand der Rallye-BMW nun aber auch sicher in der Halle.

Rally Car

Das Baltic-Sea-Circle-Rallyeauto: Unser ’91 BMW 325i bei der Übergabe.
Gut zu erkennen sind die Läufer auf der Motorhaube, verursacht von Batteriesäure.

Rally Car

Die Schokoladenseite unseres Rallyeautos

Author: Tobias

Hallo, ich bin Tobias. Meine Leidenschaft gilt alten Autos. Je ausgefallener desto besser. Im Alltag schwöre ich auf meinen treuen '88 Volvo 745 und im Laufe der Zeit sammelten sich daneben in der Garage noch ein '79 AMC Pacer, ein '70 Chrysler 300 Hurst, ein '90 Toyota Sera und ein '94 Mazda 121 Ginza. Wenn ich gerade nicht an den Autos herumschraube, lasse ich den Nerd raushängen und schreibe hier irgendwas zu Online- und IT-Themen, Filmen oder Musik. Ihr findet mich auch .

5 Comments

  1. Shalom du oller Wemmser!

    Ich freu mich schon voll… denke die Karre macht Spass, echt jetzt, Junge.
    Inner Butze bin ich auch weitergekommen. Geht am Wochenende was?

  2. ach du Schande, ob das so eine gute Idee ist, die 190ps sicher schon aber der enorm viele Rost… ich würde wenigstens die Hinterachse überholen und eine verstärkte Aufnahme einschweißen…
    sonst:
    http://s14.directupload.net/images/140419/cekp6yxn.jpg

    • Oh, ja, sehr anschaulich. Aber ich bin optimistisch, dass uns das erspart bleibt. Der Wagen hat nur ein bisschen Oberflächenrost (lasst das bloß die Schweller nicht hören…). 😀
      Das Fahrwerk ist für das Alter und die Laufleistung in erstaunlich gutem Zustand.

  3. Pingback: Nich am BMW lecken | Adrians Motorblog

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